Swiss Brandschutz
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Baustoffklassen nach DIN 4102: A2, B2, E und F 90 verständlich erklärt

Was A2, B1, B2 und die Klasse E bedeuten, wofür F 90 steht – und wie die deutschen DIN-4102-Klassen zu den Euroklassen und den Schweizer RF-Klassen passen.

Aktualisiert am 31. Mai 2026

Montage feuerwiderstandsfähiger Gipsplatten – Baustoffklassen und Feuerwiderstand in der Praxis
Kurz zusammengefasst
  • DIN 4102-1 teilt Baustoffe nach Brandverhalten ein: A1/A2 nichtbrennbar, B1 schwerentflammbar, B2 normalentflammbar, B3 leichtentflammbar.
  • Die Klasse E stammt nicht aus DIN 4102, sondern aus der europäischen Euroklassen-Skala (A1 bis F) nach EN 13501-1.
  • F 90 ist eine Feuerwiderstandsklasse nach DIN 4102-2: ein Bauteil bleibt 90 Minuten feuerbeständig – das Pendant zur europäischen REI 90.
  • In der Schweiz gelten nicht die DIN-Klassen, sondern die VKF-Brandverhaltensgruppen RF1, RF2, RF3 – abgeleitet aus denselben Euroklassen.

Auf deutschen Datenblättern steht «A2», «B2» oder «F 90», auf europäischen «A2-s1,d0» oder «REI 90», in der Schweiz «RF1». Gemeint ist oft dasselbe – nur in drei verschiedenen Systemen. Dieser Beitrag erklärt die Baustoffklassen nach DIN 4102, ordnet die Klasse E richtig ein, zeigt, was F 90 bedeutet, und übersetzt alles in die Schweizer VKF-Logik.

Baustoffklassen nach DIN 4102-1: A1 bis B3

DIN 4102 Teil 1 beschreibt das Brandverhalten von Baustoffen – also ob und wie stark ein Material selbst zum Brand beiträgt. Unterschieden werden zwei Hauptgruppen: nichtbrennbare Baustoffe (Klasse A) und brennbare Baustoffe (Klasse B).

KlasseBedeutungBeispiele
A1nichtbrennbar, ohne brennbare BestandteileBeton, Ziegel, Stahl, Mineralwolle
A2nichtbrennbar, geringe brennbare AnteileGipsplatten mit Kaschierung, mineralische Platten
B1schwerentflammbarbestimmte Holzwerkstoffe, schwerentflammbare Dämmungen
B2normalentflammbarHolz, viele Kunststoffe, Standard-Bauholz
B3leichtentflammbarungeschützte Schaumstoffe (im Bau unzulässig)

Praktisch heisst das: «Brandschutz A2» meint einen nichtbrennbaren Baustoff mit nur geringen organischen Anteilen – häufig gefordert für Oberflächen in Rettungswegen oder Hochhäusern. «Brandschutzklasse B2» ist dagegen ein normalentflammbares Material, das ohne weitere Massnahmen nicht überall zulässig ist.

Woher kommt die Klasse E?

Die «Brandschutzklasse E» ist eine häufige Verwechslung: Sie gehört nicht zu DIN 4102, sondern zur europäischen Klassifizierung nach EN 13501-1. Die Euroklassen reichen von A1 (nichtbrennbar) über A2, B, C, D, E bis F (keine Leistung bestimmt). Klasse E entspricht ungefähr einem normalentflammbaren Material – grob vergleichbar mit B2 nach DIN.

Euroklasse (EN 13501-1)DIN 4102-1 (ungefähr)Schweiz VKF
A1A1RF1 (kein Beitrag zum Brand)
A2-s1,d0A2RF1
B / CB1 (schwerentflammbar)RF2 (geringer Beitrag)
D / EB2 (normalentflammbar)RF3 (zulässiger Beitrag)
FB3 (leichtentflammbar)keine Zuordnung / unzulässig

Die Zusätze «s» (smoke, Rauchentwicklung) und «d» (droplets, brennendes Abtropfen) gibt es nur im europäischen System. Sie sind für die Schweizer RF-Einstufung mitentscheidend.

Was bedeutet F 90 – und der Unterschied zur Baustoffklasse

F 90 stammt aus DIN 4102 Teil 2 und betrifft nicht einen Baustoff, sondern ein ganzes Bauteil. Das «F» steht für feuerbeständige Bauteile (Wände, Decken, Stützen), die Zahl für die Feuerwiderstandsdauer in Minuten. F 30 gilt als feuerhemmend, F 90 als feuerbeständig.

  • F 30 / F 90 – Wände, Decken, Stützen (feuerhemmend bzw. feuerbeständig)
  • T 30 / T 90 – Feuerschutztüren (T = Tür)
  • G 30 / G 90 – Brandschutzverglasungen ohne Wärmedämmkriterium
  • L, K, R, S – Lüftungsleitungen, Klappen, Rohr- und Kabelabschottungen

Im europäischen System – und damit auch in der Schweiz – heisst dasselbe Bauteil nicht F 90, sondern REI 90 (tragend, raumabschliessend, dämmend) bzw. EI 90 (nichttragend). Mehr dazu in unserem Beitrag zu den Feuerwiderstandsklassen.

Was gilt nun in der Schweiz?

Wer in der Schweiz baut, klassifiziert weder nach DIN 4102 noch direkt nach Euroklassen-Buchstaben, sondern nach den VKF-Brandschutzvorschriften. Für das Brandverhalten gelten die drei RF-Gruppen: RF1 (kein Beitrag zum Brand, entspricht A1/A2), RF2 (geringer Beitrag), RF3 (zulässiger Beitrag). Für den Feuerwiderstand gelten die EI-/REI-Klassen nach EN 13501-2.

DIN-Angaben auf Produktdatenblättern sind also nicht automatisch übertragbar. Massgebend ist die VKF-Anerkennung bzw. die europäische Klassifizierung mit CE-Kennzeichnung. Im Zweifel entscheidet das Brandschutzregister der VKF, nicht das deutsche Prüfzeugnis.

Häufige Fragen

Ist A2 besser als B1?+

Ja, im Sinne des Brandverhaltens. A2 ist nichtbrennbar mit nur geringen brennbaren Anteilen, B1 ist schwerentflammbar, aber grundsätzlich brennbar. Für Rettungswege und höhere Gebäude wird deshalb oft mindestens A2 verlangt.

Entspricht F 90 der Klasse REI 90?+

Bei tragenden, raumabschliessenden Bauteilen ja. F 90 nach DIN 4102-2 und REI 90 nach EN 13501-2 beschreiben beide eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten – nur in unterschiedlichen Normsystemen.

Gilt DIN 4102 in der Schweiz?+

Nein. In der Schweiz sind die VKF-Brandschutzvorschriften verbindlich. Sie arbeiten mit den RF-Klassen und den europäischen EI-/REI-Klassen. DIN-Angaben dienen höchstens als Orientierung.

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